Die AfD gewinnt in Sachsen-Anhalt
Demokratie in Gefahr?
Der Wahlerfolg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und seine Folgen – den Landtagspräsidenten und seinen Vize stellen sie schon, der erste Ministerpräsident der Partei ist in Aussicht – beflügelt eine Debatte um den Zustand der deutschen Demokratie. Die „Altparteien“ sehen sie in Gefahr durch die Rechtsextremen, die zwar offensichtlich weite Teile des Volks hinter sich wissen, aber genau das „ist eine Katastrophe für unsere Demokratie.“ Demokratie sei eben „mehr als nur Wahlen“. „Demokratie gibt es nur im Paket mit Rechtsstaat.“ „Wehrhaft“ muss sie deswegen sein, also – Wahlerfolg hin, Wahlerfolg her – in der Lage, zu verhindern, dass die Falschen an die Macht kommen. Vielleicht braucht es also doch noch ein Verbotsverfahren oder wenigstens eine „ergebnisoffene Prüfung“ zu ihrer Rettung.
Die AfD sieht das genauso, nur andersrum: Auch sie sieht die Demokratie in Gefahr, aber durch die anderen Parteien. Der Wählerwille habe schließlich gesprochen und der AfD 44% der Stimmen in Sachsen-Anhalt geschenkt, von daher „kann es nur einen Ministerpräsidenten Ulrich Siegmund geben“. Damit sei die „Brandmauer“ gescheitert und genau wie jeder Versuch, Siegmund als Ministerpräsidenten zu verhindern, eine „Missachtung des Wahlausgangs“. „Der demokratische Rechtsstaat akzeptiert Wahlergebnisse und hält sich an die allgemeinen Regeln, die er aufstellt.“ Wer darüber hinaus das Verbot einer Partei „mit 30 – 40 Prozent Wähleranteil“ anstrebe, mache sich damit „selbst zum Endgegner der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“.
Was dieser Streit tatsächlich über die Demokratie und ihren Zustand verrät, darüber wollen wir diskutieren.