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Vortrag & Diskussion

Die Frau im Kapitalismus

Juris­tisch gleich, mora­lisch geach­tet, schlecht behandelt

Datum
22. Januar 2020
Zeit
19:00 Uhr
Ort
Gewerkschaftshaus
Adresse
DGB Gewerkschaftshaus, Wilhelm-Leuschner-Straße 69, nähe HBF, Zugang über den Hof

Auch nach der längst erreich­ten recht­li­chen Gleich­stel­lung mit dem Mann, auch nach­dem Frauen heute die Mehr­heit der Abitu­ri­en­ten und dabei die mit den bes­se­ren Noten, in vie­len Stu­di­en­gän­gen die Mehr­heit der Stu­den­ten stel­len, nach­dem sie man­che vor­dem als Män­ner­do­mä­nen bekannte Berufs­fel­der erobert haben, gibt es noch immer genug Dis­kri­mi­nie­rung und sexu­elle Unter­drü­ckung des weib­li­chen Geschlechts.

Frauen füh­ren den Kampf dage­gen, indem sie der Män­ner­welt den Vor­wurf machen, nach wie vor den fäl­li­gen Respekt für die Selbst­be­stim­mung und eine selbst­be­wusste Rolle der Frau zu ver­wei­gern, in einem alten Den­ken und gest­ri­gen Rol­len­bil­dern der Geschlech­ter zu ver­har­ren. Mit der For­de­rung nach Respekt ren­nen die Prot­ago­nis­ten der Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit über­all – in Poli­tik, Öffent­lich­keit und schon gleich im aka­de­mi­schen Bereich – offene Türen ein.

Sieht man von ganz kon­ser­va­ti­ven Krei­sen, die vom tra­di­tio­nel­len Fami­li­en­bild nicht las­sen wol­len, und von den Kult­fi­gu­ren des Gangsta-​Rap ab, gibt es keine Stimme, die vor den Frauen als voll­wer­ti­gen, beruf­lich und über­haupt selbst­be­stimm­ten Mit­glie­dern der Gesell­schaft nicht den Hut zie­hen würde. Über­all gibt es Gleich­stel­lungs­be­auf­tragte, Frau­en­för­de­rung und Frau­en­lehr­stühle; an Unis und im lin­ken Milieu ist das „Gen­dern“ ver­brei­tet: Durch die Modi­fi­ka­tion von Wör­tern und Gram­ma­tik besteht man dar­auf, dass in jedem Satz, in dem von mensch­li­chen Sub­jek­ten die Rede ist, der Frau noch ein­mal eigens gedacht und ihr die Ehre erwie­sen wird.

Woran liegt es dann, dass der all­ge­mein bekräf­tigte gute Wille nicht viel ändert an den sozia­len Benach­tei­li­gun­gen, Belei­di­gun­gen, An– und Über­grif­fen, die Frauen erfah­ren? Woran liegt es, dass die offi­zi­elle Moral sich von der prak­tisch geleb­ten so trennt? Anders gefragt: Haben die gesell­schaft­li­chen Posi­tio­nen und Rol­len, auf die die Frauen fest­ge­legt sind, nicht doch hand­fes­tere Gründe als frau­en­feind­li­che Vor­ur­teile der Män­ner, Gründe, denen man mit dem Ein­for­dern und Ablie­fern von Respekt­be­zeu­gun­gen über­haupt nicht beikommt?